Foto Mel (flickr)

Die Ursprünge des BarCamps

Im August 2003 nutzte der Unternehmer Tim O‘Reilly leer stehenden Räumlichkeiten seines Verlagshauses in Sebastopol (Kalifornien) und veranstaltete hier für rund 200 Personen das Foocamp. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen, bei denen das Programm hinsichtlich Vortrag, Redner und Uhrzeit voll durch organisiert ist, waren beim Foocamp ganz allein die Teilnehmer für die Ausgestaltung des Programms verantwortlich: Hier waren sie Zuhörer, Redner und Diskussionspartner zugleich. Zugelassen waren jedoch nur geladene Gäste, die „Friends Of O‘Reilly“, kurz FOO.

Begeistert von diesem offenen Austausch und dem Willen dieses Konferenzformat grundsätzlich für jedermann zugänglich zu machen, kam der Foocamp Teilnehmer Tantek Çelik auf die glorreiche Idee, eine ähnliche Veranstaltung ins Leben zu rufen und organisierte mit weiteren fünfzehn Teammitglieder das weltweit erste Barcamp in Palo Alto (Kalifornien).

Woher stammt der Name Barcamp?

Tatsächlich denken viele bei dem Wort Barcamp eher an einen Haufen Camper, die sich zum gemeinsamen Zelten und Saufen verabreden. Zwar laden vielen Organisatoren nach dem ersten Tag alle Teilnehmer gerne noch zu ein gemeinsamen Kaltgetränk ein, jedoch dient ein Barcamp in erster Linie der persönlichen Fortbildung, dem Wissensaustausch und nicht zuletzt dem Knüpfen neuer Kontakte. Neben der Bezeichnung Barcamp stößt man im Netz häufig auch auf Synonyme wie Un-Konferenz, Nicht-Konferenz, Mitmach-Konferenz und auch Alternativ-Konferenz, um insbesondere auch die Aufmerksamkeit derer zu gewinnen, die bisher noch nicht mit einem Barcamp in Berührung gekommen sind.

Hinter dem Namen Barcamp verbirgt sich eine Wortspielerei, die ihre Wurzeln in der Programmierung findet. „FOO“ und „BAR“  dienen hier als eine Variable, die ausschließlich zur Benennung von beliebigen Objekt in Beispielen, so genannte metasyntaktische Variablen. In Anlehnung an das FOOcamp entstand somit das BARcamp, wobei “camp” lediglich auf das Übernachten (“Campen”) verweist, da der Veranstaltungszeitraum von Barcamps sich häufig über ein bis zwei Tage erstreckt.

Das Barcamp hält Einzug in Deutschland

Am Samstag, den 30. September 2006 fand in Wien das erste Barcamp im deutschsprachigen Raum statt. War zu jener Zeit dieses Konferenzformat in Europa noch weitestgehend unbekannt, so konnte das Orga-Team, bestehend aus Helge Fahrnberger, Michael Schuster, Markus Schmeiduch und Michael Kamleitner, laut Teilnehmerliste bereits 30 Personen hierfür begeistern.

Noch im selben Monat initiierten Tim Bonnemann, Raju Ritter und Sebastian Küpers das allererste Barcamp in Deutschland auf die Beine, welches in den Räumlichkeiten von Pixelpark in Berlin stattgefunden hat. Dem Orga-Team angeschlossen haben sich später noch Chris Messina (Erfinder des Hashtags) und Tara Hunt, die in Kalifornien das Thema Barcamp ursprünglich mit aus der Taufe gehoben haben. 2007 und 2008 folgten zwei weitere offene Barcamps in der Hauptstadt. Kam die Camper-Community auch 2015 erst wieder in den Genuss eines offenen Berliner Barcamps, so wuchs über diesen Zeitraum kontinuierlich das Angebot an Themencamps mit unterschiedlichem Fokus, wie z. B. das LifeWorkCamp, das SocialCamp, das CommunityCamp, das PolitCamp, das VideoCamp u. v. w. Insbesondere in den vergangenen Jahren ist das Angebot an Themencamp zunehmend gestiegen. Lag der Themenfokus und das Angebot in den Anfangsjahren vornehmlich in der Entwickler-Szene, also im technologischem Bereich rund um Programmiersprachen, Open Source Anwendungen und Datenbanken, später in Social Media und digitaler Kommunikation und Applikationen, so wird heute für nahezu jedes Themengebiet gleich welcher Art ein spezielles Camp angeboten.
Die zunehmende Begeisterung für unkonventionelle Konferenzen, angetrieben von der positive Mundpropaganda und der transparenten Dokumentation der Vorträge (Videos, Fotos,…) und Ergebnisse durch die Teilnehmer und Organisatoren über Blogs und vielen weiteren Plattformen war der Barcamp-Spirit nicht mehr aufzuhalten. Alleine in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es jährlich über 150 Bar- und Themencamps. Sei es in Südafrika, China oder Brasilien – Barcamps finden mittlerweile in praktisch jedem Land statt.

Eine Übersicht nahezu aller BarCamps in Deutschland findet sich auf der BarCamp-Liste von Jan Theofel und bei t3n.

Weitere Bar- und ThemenCamps im deutschsprachigen Raum (D-A-CH)

  • http://www.barcamp.at – Übersicht und Organisationsplattform für Österreich
  • http://www.barcamp.ch – Übersicht und Organisationsplattform für Schweiz
  • http://www.barcamps.org – Internationale Übersicht, für D/A/CH kaum geeignet

 

 

 

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Seit September 2008 als @DieSteph auf Twitter, beruflich - wie auch privat. Meine Begeisterung für diesen Short Messaging Service trugen dazu bei, dass ich 2011 mein erstes Twestival im Unperfekthaus Essen und dann 2013 das erste TweetCamp in Deutschland ins Leben gerufen habe.

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